Konduktive Förderung und Pädagogik nach Pető

Das System der Konduktiven Förderung und Pädagogik wurde vom Mediziner und Pädagogen Prof. András Petö vor mehr als 60 Jahren in Ungarn für Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen entwickelt. Mittlerweile gewinnt jedoch zunehmend Bedeutung auch als Inklusionspädagogik in Krippen, Kindergärten, Schulen und KiTas für alle Kinder. Im Fokus steht eine selbstbewusste Persönlichkeitsentwicklung von Anfang an. Aktivität und Bewegung fördern die Koordination sowie die (Selbst-)Wahrnehmung, die Konzentration und das soziale Miteinander.

Altersspezifische Handlungskonzepte:

Eltern-Kind-Angebote

Für die ganz Kleinen, bzw. als Eingewöhnung wird nach Möglichkeit die Förderung in Eltern–Kind–Gruppen angeboten. Die Eltern lernen Eigenaktivitäten des Kindes aufzugreifen und mit möglichst wenig Hilfe zu funktionalen Bewegungen und Bewegungsabläufen oder zum gewünschten Tätigkeit zu führen. Ziel ist zudem eine sichere Bindung zwischen Eltern und Kind aufzubauen und zu stärken. Motivierende Einflüsse einer positiven Lernatmosphäre wirken hier gleichermaßen auf Erwachsene und Kinder. Zudem gibt es viel Gelegenheit zum Austausch mit anderen Eltern.
 

Kleinkinder

Für Kinder ab ca. 1,5 Jahren bis zur Einschulung stehen vor allem altersgerechte alltags- und Handlungskompetenzen im Mittelpunkt der Förderung. Heranführen an Regeln, an Selbstbeschäftigung und aktives Spielen sowie Alltagstätigkeiten, wie sich an- und ausziehen, essen und trinken, Sauberkeitstraining und Hände waschen sind wichtige Bereiche der Förderung. Die Kinder können im alltäglichen und auch von zu Hause bekannten Tätigkeiten Aktivität und Selbstwirksamkeit erleben. Zudem werden sie gezielt auf den Übergang in den Kindergarten oder auf die Einschulung vorbereitet.

Schüler und Jugendliche

Mit der Einschulung beginnt eine wichtige Lebensphase mit neuen Herausforderungen. 
Konzentration, Anwendung von Kulturtechniken, Ausdrucksfähigkeit und Sprache aber auch gesunde und stabile Körperhaltung sowie ausreichende Bewegung tragen maßgeblich zu einer erfolgreichen Teilhabe in der Schulbildung bei.
Schwerpunkte der Förderung liegen dementsprechend an der Fähigkeit komplexe Handlungsabläufe zu erfassen, erlernen und zu vertiefen, feinmotorische Fähigkeiten intensiv zu fördern (Schreiben, Malen, Hantieren mit gebräuchlichen Schulmaterialien) sowie an Fähigkeiten zur Bewältigung des schulischen Alltags (Fortbewegung, An-/Ausziehen, Arbeitsplatz organisieren, Toilettengänge etc.). In der Förderung werden Lerninhalte aus dem Unterricht aufgegriffen und ggf. kompensatorische Mittel und Medien erprobt, die für die schulische Integration unabdingbar sind (Einsatz von variablen Gehgeräten, Schreibhilfen, Computern o.ä.). 

Junge Erwachsene und Erwachsene

Geschichte und Entwicklung

Das komplexe Fördersystem der Konduktiven Förderung wurde ursprünglich in den 1950er Jahren von Prof. András Pető zur Förderung zerebralgeschädigter Menschen entwickelt.
Er erkannte, dass ein intaktes Gehirn in die Lage versetzt werden kann, neue Wege zu finden, um Schädigungen zu kompensieren und neue neuronale Verbindungen zu bilden. Petö ging davon aus, dass eine zerebrale Bewegungsstörung unter anderem ein komplexes Lernhindernis darstellt, dass mit besonderen Fördermaßnahmen und angepassten positiven Lernbedingungen aktiv handelnd überwunden oder gemildert werden kann. Ausgehend von der Komplexität der Schädigung stellte er die gesamte Persönlichkeit in den Mittelpunkt der Förderung. Herkömmliche Fördermaßnahmen greifen gezielt spezielle Problembereiche auf. Schädigungen des zentralen Nervensystems stellen jedoch komplexe Behinderungen dar, bei denen die motorischen, kognitiven, sensorischen, psychischen und sozialen Fähigkeiten gleichermaßen betroffen sind.

Leitfaden und Ziele

Die Konduktive Pädagogik nach András Pető basiert auf einem humanistischen Menschenbild, dessen Grundannahme die Bildungs- und Erziehungsfähigkeit jedes einzelnen Menschen ist. Sie betrachtet Jeden in seiner Einzigartigkeit und unterstützt ihn auf seinem individuellen Lebensweg.
Die konduktive Sichtweise sieht den Menschen als komplexes Wesen und konzentriert sich auf die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit. Affektive, psychosoziale und interaktive, kognitive und motorische Kompetenzen sowie die Aneignung lebenspraktischer Fähigkeiten werden nicht isoliert gefördert, sondern in komplexen Lerneinheiten gleichermaßen berücksichtigt. Die Förderung wird von einer dem Entwicklungsalter adäquaten, motivierenden und aktivierenden Gruppenpädagogik getragen. Die Konduktive Förderung verbindet Sprache, Bewegung und Rhythmus und fördert die Kinder in ihrer motorischen, sprachlichen, geistigen und sozialen Entwicklung. Es wird angestrebt, die Entwicklung der Teilnehmer mit möglichst gleichbleibenden Bezugspersonen langfristig in allen Lebensumfeldern zu begleiten. Fachkenntnisse aus verschiedenen Fachbereichen werden von den KonduktorInnen zu einer Einheit verknüpft, um die Förderung auf die individuellen Bedürfnisse abzustimmen. Ziel der Konduktiven Förderung ist es, Menschen in allen Lebensbereichen größtmöglicher Eigenaktivität und Selbstständigkeit zu verhelfen, ihre Integration zu erleichtern, sie zu unterstützen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern. Der Begriff „konduktiv“ wird vom lateinischen „Conducere“ abgeleitet und bedeutet „hin-, zusammen- und weiterführen“.
In Hinsicht auf die Konduktive Förderung bedeutet das die Zusammenführung von Entwicklungs-, Lern- und Erziehungsprozessen sowie (heil)pädagogischen und medizinisch-therapeutischen Förderinhalten. 
Alle Handlungselemente fügen sich in einen sorgfältig geplanten, zielgruppenorientierten und umfassenden pädagogischen Rahmen ein. Konduktive Handlungen bauen auf die psychischen, emotionalen und neurobiologischen Aspekten des effektiven Lernens. Alltagssituationen werden als Lernumfeld betrachtet und Fähigkeiten und Kompetenzen aus allen Persönlichkeitsbereichen angesprochen. Durch die Anregung der Eigenaktivität und Erfolge nach dem Prinzip „so viel Hilfe wie nötig, jedoch so wenig wie möglich“ wird die Selbstständigkeit und das Selbstbewußtsein gefördert. Konduktive Förderung wird meist in altersgerechten Gruppen aber auch in Form der Individualförderung oder unter Anleitung von Eltern und Angehörigen in sog. Eltern-Kind-Gruppen durchgeführt.
 

  • Spendenkonto

    Verein für Menschen mit Körperbehinderung Nürnberg e.V. IBAN: DE75 7002 0500 0007 8355 00 BIC: BFSWDE33MUE

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