Konduktive Förderung und Pädagogik nach Pető

Ganzheitlichkeit als Förderansatz in der Inklusions- und Heilpädagogik sowie in der medizinischen Rehabilitation findet zunehmend eine neue Bedeutung. Mit der Inklusion in der Bildung und Teilhabe im Leben, mit dem Wunsch nach individuellen Wohnformen und Lebensgestaltung sowie nach mehr Selbstbestimmung steigt der Bedarf an Förderung und Begleitung, welche sowohl medizinisch-therapeutische als auch pädagogische und heilpädagogische Kompetenzen in den direkten Lebensumfeld der Menschen einbinden kann.
In der Konduktiven Förderung fließen fundierte medizinisch-therapeutische Kenntnisse in einem alters- und entwicklungsgerechten heilpädagogischen Rahmenkonzept zusammen. Der strukturierte Tagesablauf beinhaltet neben motorisch-kognitive Lerneinheiten grundlegende Alltagstätigkeiten, wie Essen, Trinken, Bad- und Toilettenbenutzung oder sich An- und Auskleiden. Dabei können die Teilnehmer in den kleinen, altersgerechten Gruppen soziale Kontakte knüpfen, einander Nachahmen oder Erfahrungen austauschen.

Die Förderung ist auf eine aktive Teilhabe in der Bildung, im direkten Lebensumfeld und am Leben der Gesellschaft ausgerichtet. Nach dem Grundsatz der Konduktiven Förderung verursachen Schädigungen des Zentralnervensystems nicht nur isolierte Funktionsstörungen, sondern beeinflussen die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit. Durch die gezielte Förderung bestimmter Entwicklungsbereiche werden auch andere Funktionen und Fähigkeiten positiv beeinflusst. Neu erworbene Fertigkeiten werden automatisiert und nachhaltig gespeichert, wenn sie unmittelbar im Alltag praktiziert und sinngemäß angewendet werden.

Motorische Grundfähigkeiten wie Sitzen, Stehen, Feinmotorik, koordinativer Eigenschaften sowie intellektuelle und sozialemotionale Lernbereiche, wie Sprache, Kulturtechniken und psychosoziales Handeln werden gefördert. Eine maximale Selbständigkeit in lebenspraktischen Bereichen, wie Essen, Ankleiden, Hygiene wird angestrebt.

Konduktive Pädagogik als Inklusionspädagogik

Das System der Konduktiven Förderung und Pädagogik wurde vom Mediziner und Pädagogen Prof. András Petö vor mehr als 60 Jahren in Ungarn für Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen entwickelt. Mittlerweile gewinnt jedoch zunehmend Bedeutung auch als Inklusionspädagogik in Krippen, Kindergärten, Schulen und KiTas für alle Kinder. Im Fokus steht eine selbstbewusste Persönlichkeitsentwicklung von Anfang an. Aktivität und Bewegung fördern die Koordination sowie die (Selbst-)Wahrnehmung, die Konzentration und das soziale Miteinander.

Konduktive Förderung vor der Einschulung

Kinder entwickeln sich durch Bewegung und die Erfahrungen, die sie dabei sammeln. Durch Bewegung entdecken Sie zuerst ihre Hände, dann das nächstgelegene Spielzeug und Stück für Stück ihre nähere Umgebung. Dabei motiviert sie jeder kleine Erfolg zu weiteren Entdeckungsreisen. Gefördert werden die Geschicklichkeit, die Koordination aber auch die Sprache und das logische Denken.

 

Wir bieten Gruppen für Kinder ab ca. 1,5 Jahren bis zur Einschulung an. Im Vordergrund stehen:

  • Freude an Bewegung in einer altersgerechten, anregenden und sicherheitsgebenden Umgebung
  • Spiele mit Rhythmus, Liedern und Reimen
  • Förderung der sozial-emotionalen Fähigkeiten und einer positiven Eltern- Kind Beziehung
  • Heranführen an altersgerechte lebenspraktische Tätigkeiten
  • Vorbereitung auf einen Kindergarten oder auf die Einschulung
  • Beratung, Tipps und Austauschmöglichkeit für Eltern

Die Gruppen mit maximal 8 Plätzen finden am Vormittag statt. Die regelmäßige Teilnahme ist an 3-5 Tagen/Woche möglich. Die Kernaktivitäten Dauern 2,5-3 Stunden und beinhalten spielerische motorisch-kognitive Einheiten, aktive Fortbewegung, Sauberkeitstraining, eine kleine Mahlzeit sowie kreative Gestaltung oder Spiele. Nach Wunsch können Mittagessen und zusätzliche Betreuungszeiten bis 14.00 Uhr gebucht werden.
Für die ganz Kleinen, bzw. als Eingewöhnung bieten wir auch Eltern–Kind–Gruppen sowie 2 Mal im Monat Spiel- und Bewegungsgruppen für Kinder mit und ohne Förderbedarf an.

Unter Anleitung der Konduktorin arbeiten Mutter oder Vater mit ihrem Kind. Motivierende Einflüsse einer positiven Lernatmosphäre wirken hier gleichermaßen auf Erwachsene und Kinder. Die Eltern lernen, Eigenaktivitäten des Kindes aufzugreifen und mit möglichst wenig Hilfe zu funktionalen Bewegungen/Bewegungsabläufen oder gewünschten Tätigkeiten zu führen. Dabei binden sie die Aufmerksamkeit der Kinder und erleben kleinste Fortschritte auch als ihre eigene Leistung. Sie lernen insbesondere, mit einfühlsamer und aufmerksamster Zuwendung im Gruppenrhythmus die therapeutischen Ziele spielerisch und lustvoll, aber dennoch exakt und konsequent umzusetzen, überwinden dabei emotionale, fachliche und physische Unsicherheiten und entwickeln persönliche Überzeugungskraft, so dass sie in der Konduktiven Förderung Sicherheit, Optimismus und Freude gebende „Trainingspartner“ für ihre Kinder werden.
Die Kinder lernen ihren Körper kennen, ihre Extremitäten bewusst und isoliert zu bewegen, die Augen-Hand-/bzw. Augen-Fußkoordination wird gezielt gefördert; ebenso das Greifen, Halten, Loslassen und Stützen. Positionen wie Sitzen und Stehen werden geübt und Positionswechsel, d.h. verschiedene Formen der Fortbewegung wie Rollen, Robben, sich Drehen, Krabbeln, sich Aufsetzen und Aufstehen, erlernt. „Alltags- und Lebenspraktische Tätigkeiten, wie Essen, Trinken, Händewaschen, Herangewöhnung an Sauberkeit und Toilettenbenutzung sind feste Bestandteile des Tagesablaufs.

Konduktive Förderung nach der Einschulung

Mit der Einschulung beginnt eine wichtige Lebensphase mit neuen Herausforderungen. Konzentration, Anwendung von Kulturtechniken, Ausdrucksfähigkeit und Sprache aber auch gesunde und stabile Positionen sowie ausreichende Bewegung tragen maßgeblich zu einer erfolgreichen Teilhabe in der Schulbildung bei. Für Schüler und Schülerinnen von der Einschulung bis zur Ende der Schulpflicht bieten wir Nachmittagsgruppen, analog zu einer Tagesstätte an.

Im Schwerpunkt liegen insbesondere

  • die Förderung kognitiver, sozial-emotionaler und Handlungskompetenzen, Kommunikation, Feinmotorik und Kulturtechniken, 
  • Alltagskompetenzen sowie Motorik und Mobilität
  • eine individuelle Hilfsmittelversorgung für die aktive und effektive Teilhabe im Unterricht und für alltagsgerechte Mobilität
  • eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen, den Schulbegleitern, der Familie und anderen Bezugspersonen
  • Beratung im direkten Lebensumfeld, wie zu Hause oder in der Schule


Die Gruppen mit maximal 8 Plätzen können 3-5 Tage/Woche gebucht werden. Die Kernaktivitäten dauern 2,5-3 Stunden. Hausaufgabenbetreuung ist im Rahmen der Förderung möglich. Mittagsbetreuung ab 11:30 Uhr und Mittagessen können nach Wunsch gebucht werden.

Schwerpunkt ist die kognitive Förderung nach Lehrplänen der Regelschule. Aufgabe der Konduktorin ist es insbesondere, die Fähigkeit der Kinder zur selbstständigen Korrektur bei für sie schwierigen Bewegungsabläufen zu vertiefen, feinmotorische Fähigkeiten intensiv zu fördern (Schreiben, Malen, Hantieren mit gebräuchlichen Schulmaterialien) sowie die selbstständige Bewältigung des schulischen Alltags im Tagesablauf detailliert zu üben (selbstständige Fortbewegung, An-/Ausziehen, Toilettengänge etc.). In der Förderung werden Lerninhalte aus dem Unterricht in Regel- und Förderschulen aufgegriffen, grob- und feinmotorische Übungen die für eine Integration in der Regel- und Förderschule unabdingbar sind. Aufgabe der Konduktorin ist es insbesondere, die für eine Bewältigung des schulischen Alltags wesentlichen Kompetenzen zu vermitteln, Mut und Selbstsicherheit aufzubauen und ggf. kompensatorische Mittel und Medien bei solchen – meist partiellen – motorischen oder Sinnesbeeinträchtigungen zu erproben, die für eine Integration in die Regelschule unabdingbar sind (Einsatz von variablen Gehgeräten, Schreibhilfen, Computern o.ä.).

Konduktive Förderung für Erwachsene

Die Konduktive Förderung bietet Betätigung zur Erhaltung und Ausbau der geistigen und körperlichen Fähigkeiten

Erwachsene nach einem Unfall oder durch einer Erkrankung, wie Schlaganfall, Multiple Sklerose oder der Parkinson Krankheit bleiben oft dauerhaft Funktionsstörungen, welche die aktive Bewältigung des Alltags erschweren oder ohne Unterstützung unmöglich machen. Auch eine angeborene Behinderung kann im Erwachsenenalter eine aktive Lebensweise zunehmend erschweren.

Die Konduktive Förderung bietet Betätigung zur Erhaltung und Ausbau der geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Alters- oder Behinderungsbedingte Abbau kann deutlich verlangsamt werden und eine aktive Lebensweise und Teilhabe wieder erlangt oder länger erhalten bleiben.
Die Förderung richtet sich auf

  • die Erleichterung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und / oder Wiedereingliederung ins Arbeitsleben
  • Hilfen zur Alltagsbewältigung und Verbesserung der Lebensqualität durch Training von Alltagskompetenzen und lebenspraktischen Fähigkeiten wie Essen, Ankleiden, Ein-/ Aussteigen ins Fahrzeug, Haushaltstätigkeiten, Selbstorganisation, je  nach individuellem Bedarf
  • die Verbesserung von Koordination, Körperwahrnehmung, Beweglichkeit, Sprache und kognitiven Fähigkeiten

Das Gruppenprogramm dauert 2,5-3 Stunden und beinhaltet einen komplexen Tagesablauf mit motorisch- kognitiven Einheiten, aktiver Fortbewegung sowie eine kleine Brotzeitpause.
Bei Bedarf bieten wir Beratung im direkten Lebensumfeld, wie zu Hause oder am Arbeitsplatz an.

  • Spendenkonto

    Verein für Menschen mit Körperbehinderung Nürnberg e.V. IBAN: DE75 7002 0500 0007 8355 00 BIC: BFSWDE33MUE

  • Mitglied werden

    Sie möchten Mitglied in unserem Verein werden und unsere Arbeit unterstützen?

  • Ehrenamt

    Es gibt zahlreiche Motive, warum sich Menschen ehrenamtlich betätigen.

     Wir freuen uns auf Sie!

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